4.2.2012 : 12:21 : +0100

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Der TUI-Marathon in Palma de Mallorca - ich war dabei!

Mein erster Halbmarathon

ICH HABE ES GESCHAFFT! Meinen ersten Halbmarathon! Ich bin so glücklich, ich fühle mich so wunderbar, bin voller Endorphine.

Es war ein großartiger Lauf! Keinen einzigen Moment lang fühlte ich mich blöd oder hatte den Gedanken aufhören zu wollen. Ich bin auch keinen Meter gegangen. Selbst dann nicht, als ich zwischendurch Seitenstechen bekam. Die konnte ich wieder wegatmen. Ich fühlte mich sogar richtig gut, fast glücklich beim Laufen, weil es sich fast wie von allein lief. Ich hatte wirklich Spaß und das hatte ich nun wahrlich nicht erwartet. Ich hatte damit gerechnet, mich spätstens ab Kilometer 18 quälen zu müssen. Aber nichts dergleichen trat ein. Sicher auch, weil ich bei demen Getränkestützpunkt eine Flasche Wasser nahm und trank. Ich brauchte nicht mal mein Energy-Gel, das ich zur Sicherheit dabei hatte. Ich spürte, daß das Training wirklich was gebracht hatte, obwohl ich den Trainingsplan ja nicht korrekt eingehalten hatte. Es lief genauso, wie ich es mir gewünscht hatte. Mir ging es ja hauptsächlich darum, überhaupt anzukommen und dabei nicht zu kriechend. Ich wollte wenigstens noch lächeln können. Und genauso wars! Ich hatte gedacht, ich würde 2 h 30 min brauchen für die Strecke von 21,1 km. Ich kam ins Ziel bei 2 h 20 min. 23 sek. Und wenn ich nicht zwischendurch ganz nötig auf die Toilette gemußt hätte, dann wäre ich sogar in meiner Wunschzeit dagewesen: 02 h 18 min.

Ich wurde beim Start von vielen Läufern überholt, aber ich habe mich davon nicht irritieren lassen. Ich hielt an meiner Devise fest: langsam genug laufen. Nicht schneller als 06:30 min pro Kilometer. Meine Angst war zu groß, sonst hinten einzubrechen. Ich erinnerte mich noch zu gut an meine Erfahrungen vom letzten Jahr beim 10 km-Lauf. Da war auch zu schnell und erlebte bei 7,5 km eine böse Überraschung. Die kam beim Halbmarathon Gott sei Dank nicht. Ich konnte sogar noch einen Schlußsprint einlegen und lief lachend ins Ziel. Was war das für ein tolles Gefühl!!!

Ich bin so froh, daß ich mich selbst zu diesem Lauf überredet habe. Ehrlich, vor einem halben Jahr habe ich noch nicht wirklich gedacht, daß ich es schaffen würde. Aber für mich steht jetzt fest: Ich laufe weiter!

 

Ich war eine von 8 Prominenten, die für den guten Zweck gelaufen sind. Pro gelaufenen Kilometer dieser Gruppe spendete die TUI 100 € für die Tabaluga-Stiftung von Peter Maffay. Der Schauspieler Tim Bergmann lief den vollen Marathon, Schauspielerrin Katharina Abt, Schauspieler Helmuth Zierl und ich liefen den Halbmarathon, die Reiterin Bettina Hoy, die Moderatorin Milka und die Schauspielerinnen Saskia Vester und Alexa Suhrhold liefen 10 km. Insgesamt hat unsere Gruppe über 14.000 € erlaufen.

Und das ging dem Lauf voraus - die Tagebucheinträge während des Trainings:

5. Tagebucheintrag

Nach den ersten 15 Kilometer meines Lebens war ich ja unglaublich euphorisch. Drei Tage später wurde ich allerdings mit einem lauten Knall wieder auf den Boden geholt. Ich quälte mich regelrecht über sechs Kilometer. Das, was ich sonst mit Leichtigkeit bewältige, was inzwischen für mich Kinderkram ist (Im Sommer 2006 waren sechs Kilometer für mich eine fast unerreichbare Distanz), das machte mir drei Tage nach meiner Meisterleistung unglaublich zu schaffen. Ich hatte das Gefühl, noch nie im Leben gelaufen zu sein, kaum Kondition zu haben und Beine, die zehn Zentner schwer sind. Das hat mich richtig frustriert. Aber das Training ist wie das richtige Leben - es gibt Tage, da ist man gut drauf und es gibt Trainingstage, da ist man schlecht drauf. Und es ist verdammt hart, sich an den Tagen, wo man sich nicht gut in Form fühlt, durch den Lauf zu kämpfen und das angestrebte Ziel zu erreichen. Hinzu kamen Blasen an den Füßen, weil ich nicht meine Sportsocken, sondern normale Socken anhatte. Aufgescheuerte Haut, weil ich nicht meinen Sport-BH, sondern einen normalen BH trug. Und ich wurde von meinen extra angefertigten Laufschuhen enttäuscht. Die Dinger wurden nach den Maßen und dem Abdruck meines Fußes angefertigt und auf der rechten inneren Seite drückt es einfach nur wie blöd und ist unbequem. Die müssen leider zu Hause bleiben. Dabei sind sie so schön - schwarz und pink - mit meinem Namen drauf, ich hätte richtig schön angeben können - aber es soll nicht sein. Ich laufe besser mit den Schuhen "von der Stange".

Zwei Wochen vor dem großen Tag X bin ich dann im letzten langen Trainingslauf 17 km durch den Stadtwald von Frankfurt-Sachsenhausen gelaufen. Nach wochenlangem Training im Taunus ging mir das ständige Bergauf und Bergab auf die Nerven, ich brauchte mal eine durchgängig flache Strecke. Mit Schrecken stellte ich fest, dass ich meinen iPod im Hotel in Leipzig vergessen hatte. Eine so lange Strecke ohne Musik? Ein Alptraum. Es ist ja oft ganz sinnvoll, mal in Ruhe über sich und sein Leben nachzudenken, aber das muss ja nicht zwei Stunden sein. Für einen Lauf von einer Stunde ist das fein - aber zwei Stunden ohne Musik oder einen Menschen an meiner Seite finde ich zu öde. Da besteht die Gefahr, dass ich die Lust verliere... Gott sei Dank hat sich der beste Freund meines Mannes überreden lassen mitzulaufen, der läuft mein Tempo. Mein Mann wollte in seinem letzten langen Trainingslauf natürlich sein eigenes Tempo laufen und das ist um einiges schneller als meins.

Auch mit schweren Beinen ist noch ein Sprint drin

So habe ich die ersten 17 Kilometer meines Lebens ganz gut gepackt - Hayo und ich haben uns immer wieder gegenseitig motiviert - er ist auch noch nie so viele Kilometer gelaufen. Wir spürten allerdings beide auf den letzten drei Kilometern unsere Beine sehr stark. Die fühlten sich irgendwie müde und schwer an. Und das schon beim 16. Kilometer? Am 21.10. muss ich mit den schweren Beinen 21 Kilometer schaffen! Ich dachte an die, die den Marathon laufen werden, die müssten damit noch 26 Kilometer laufen! Was für eine Horrorvorstellung! Naja, sooo schwer waren die Beine auch nicht, aber es wurde schon immer anstrengender und Hayo und ich sprachen immer weniger. Trotzdem schafften wir auf den letzten 300 Meter sogar noch einen Sprint und kamen extrem glücklich im Ziel an.

Und dann die Enttäuschung!!!! Auf meiner Uhr, die nicht nur den Puls sondern auch die Kilometer und die Geschwindigkeit misst, leuchteten 18,5 Kilometer! Aber die abgemessene Strecke war 17 Kilometer lang. Verdammt! Ich hatte die Uhr noch nicht geeicht. Das heißt, die hat mich die ganze Zeit betrogen. Auch bei meinem angeblichen 15 Kilometer-Lauf. Ich rechnete nach und kam drauf, dass ich 15 Kilometer doch nicht in 01:38 h gelaufen war, sondern in der Zeit nur Kilometer... Egal - dieses Mal hatte ich wirklich 17 Kilometer geschafft und vier mehr sollten auch noch zu schaffen sein. Und ich will doch die Zeit nicht im Kopf haben beim TUI-Halbmarathon! Ich will doch einfach nur Spaß am Laufen haben, ohne mir selbst Druck zu machen mit einer Zeitvorgabe. Aber ich kenne mich, so ganz werde ich das nicht verdrängen können. Ich möchte die 21 Kilometer in 02:30 h schaffen. Wenn ich mich exakt an den Trainingsplan gehalten hätte, hätte es die Chance gegeben, die Strecke in 02:15 h zu schaffen. Aber für wen? Wer fragt am Ende wirklich danach, wen interessiert es? Keiner wird sagen "Waaas, so lange hast Du gebraucht?" (und die, die so reden sind Idioten) - die meisten werden sagen "Toll, dass Du mitgemacht hast" und vielleicht im Stillen denken "Naja, sie war ja ein bisschen langsam...."

Nicht immer habe ich den Schweinehund Besiegt

Ja, Herr Dr. Wessinghage, ich gestehe, ich habe gesündigt! Ich habe mich nicht exakt an den Trainingsplan gehalten. Es war schwer bei der vielen Arbeit, die ich in den letzten Monaten hatte, den Hochzeitsvorbereitungen, der Hochzeit und allem, was damit verbunden ist, fünf Mal pro Woche laufen zu gehen. Ich frage mich wirklich, wie Tim Bergmann das bewältigt hat neben seinem Drehplan. Und der trainiert sogar für den Marathon. Nun, der Ehrgeiz von Tim ist um das Zehnfache stärker ausgeprägt als bei mir. Er scheint auch keine Trainingstiefs gehabt zu haben, der Glückliche. Allerdings glaube ich, wenn ich das Ziel hätte, den Marathon zu laufen, dann würde ich mich auch exakt an den Trainingsplan halten aus Angst, an der sogenannten "Wand", die irgendwann zwischen Kilometer 30 und 40 kommt, schlapp zu machen und nur noch kriechend ins Ziel zu kommen. Wenn überhaupt. Ich hatte auch immer im Hinterkopf "21 Kilometer sind schon zu schaffen, auch wenn Du nur drei mal pro Woche trainierst". Mein Schweinhund und ich hatten des Öfteren mal intensive Auseinandersetzungen, aus denen ich nicht immer als Gewinnerin hervor gegangen bin...

Noch eine Woche bis zum Lauf und ich muss nur noch zwei kurze Läufe absolvieren, bevor es richtig ernst wird. Einerseits freue ich mich drauf, andererseits ist mir auch mulmig zumute. Eben weil ich den Trainingsplan nicht genau eingehalten habe. Und weil ich weiß, wie es mir letztes Jahr beim 10-km-Lauf erging. Und weil ich weiß, wie es sich anfühlt und wie wahnsinnig schwer es ist, wenn man einen schlechten Tag erwischt hat. Aber vielleicht meint es der Laufgott ja gut mit mir und schenkt mir eine gute Form und Kondition für den 21.10., genug Motivation und nicht zu viel Sonne. Ich werde wohl mit Musik laufen, aber nur bis 1 km vor dem Ziel. Den Zieleinlauf, den möchte ich bewusst wahrnehmen und genießen!

Und wenn ich eine Prognose abgeben darf: Ich glaube, von den Damen aus der Promigruppe wird Milka als Erste im Ziel sein. Sie ist uns schon in Damp davon gelaufen, ich glaube, sie hat richtig Biss, wenn's drauf ankommt. Ich freu mich drauf!

4. Tagebucheintrag

Ich platze gerade vor Stolz. Ich habe meine ersten 15 km geschafft!!!! In 1:38 h mit einer durchschnittlichen Herzfrequenz von 158, das ist im untersten gelben, also mittleren, Trainingsbereich. Im Durchschnitt habe ich für einen Kilometer 6 Minuten und 20 Sekunden gebraucht! Ich weiß, erfahrene Läufer schmunzeln über diese Zeit. Schneckentempo. Aber für mich bedeutet dieser Lauf in dieser Zeit mit den Werten viel mehr als Ihr glaubt.

Für meinen ersten längeren Lauf vor Wochen über 12 Kilometer habe ich 1 1/2 Stunden gebraucht und weit über 7 Minuten pro Kilometer. Ich habe also eine deutliche Leistungssteigerung erreicht. Denn das Tolle war - ich hätte nach den 15 km noch locker weiter laufen können. Ich fühlte mich wunderbar und war überhaupt nicht fertig. Und das, obwohl ich bergauf und bergab gelaufen bin. Hier im Taunus gibt es nur wenige durchgehend flache Strecken, aber für mein Training für Mallorca ist das natürlich großartig.

Mein Mann hatte mich schon lange gedrängt, nun endlich den 15 km-Lauf anzugehen. Meine Läufe gingen mit Ausnahme des einen 12-km-Laufs nie über 10 km hinaus. Und da war ich meist froh, dass es vorbei war und fragte mich selbst die ganze Zeit, ob ich nicht ganz bei Sinnen gewesen bin, als ich für den Halbmarathon zugesagt habe. Ich hätte ja auch die 10-km-Strecke wählen können! Warum musste ich mich denn für den Halbmarathon melden? Hat mich doch keiner gezwungen! Doch! Mein Ehrgeiz. Eine Stimme, die in Schweinehundmanier sagte: "Ach Ballschuh, vergiss es, das schaffst Du doch nicht, Du Laufmuffel" und eine andere Stimme, die plötzlich lauter dagegen hielt: "Das wollen wir doch mal sehen. Ich werd´s Dir beweisen. Ich schaffe das". Naja, und dann ging ja der Kampf los, in dem der Schweinhund leider auch sehr oft an Stärke gewann. Aber gestern habe ich ihn in die Knie gezwungen! Gestern lag er winselnd am Boden und zog seinen Schwanz ein, gab keinen Ton mehr von sich! Ich gebe zu, ich habe das nicht allein geschafft. Wenn mein Mann nicht wäre - der selbst für den Marathon trainiert, motiviert ist und seinen Trainingsplan genau einhält - mich nicht immer wieder antreiben würde, die Laufsachen anzuziehen und loszulaufen, dann würde ich wohl öfter Ausreden erfinden und denken "Ach komm, der Trainingsplan ist für Leute gemacht, die den Halbmarathon unter 2 Stunden laufen wollen. Dir ist die Zeit doch egal, Hauptsache Du kommst an. Da kannst du auch mal einen Tag Training ausfallen lassen"... Nee, kann ich eben nicht. Auch wenn ich die Zeit unter 2 Stunden gar nicht schaffe. Ich brauche das Training trotzdem, um die 21 km gut zu überstehen und nicht ins Ziel zu kriechen...

Ich hatte mich bisher nicht an die 15 km getraut, weil ich befürchtete, ich würde damit erkennen, dass ich es nicht schaffen werde - eben weil ich durch die Hochzeit ja auch so viele Trainingseinheiten ausfallen ließ. Aber mein Mann ist mit mir mitgelaufen, hat sich meinem Tempo angepasst und ich habe darauf geachtet, auch wirklich mein Wohlfühltempo zu laufen. Wenn ich das einmal gefunden habe, bleibe ich dabei.

Eigentlich sollte ich ja im Tempo variieren, aber ich laufe immer konstant ein Tempo. Und gestern habe ich MEIN Halbmarathontempo gefunden. Wenn ich das auch in 4 Wochen auf Mallorca laufe, immer mit dem Gefühl, ich könnte noch schneller, dann halte ich das durch und kann auf den letzten Kilometer Gummi geben. Ich habe nun das Selbstbewusstsein, das ich für den TUI-Marathon brauche. Ich weiß jetzt, dass ich das durchhalten kann. Eben weil ich mein Tempo gefunden habe. Wäre ich langsamer gelaufen, hätte mich das wahrscheinlich nicht genug motiviert für Palma, weil ich dann das Gefühl gehabt hätte, ich würde als Letzte im Ziel einlaufen und das will ich ja auch nicht. Ich will nicht Erste sein. Aber eben auch nicht Letzte...

Mir geht es heute sooo gut, ich fühlte mich gestern nach dem Lauf sooo glücklich. Das hat mich einen ganz großen Schritt nach vorn gebracht. Und ich weiß - ich brauche Musik zum Laufen. Für 45 Minuten kann ich ganz gut ohne. Aber darüber hinaus fällt es ohne Musik schwer, da zieht sich alles so sehr in die Länge. Die richtige Musik auf den Ohren, mal schnelleres Tempo, mal ruhiger, motiviert unglaublich.... Noch 4 Wochen bis zum Tag X... ich hoffe, der Schweinehund bleibt nun da, wo er jetzt ist. In der Ecke, winselnd....

3. Tagebucheintrag

Wenn ich in den letzten Wochen etwas gelernt habe, dann das: Heiraten und auf einen Marathon vorbereiten, passen einfach nicht zusammen. (Nicht vergessen, für mich als absolute Laufanfängerin fühlt sich der Halbmarathon wie ein Marathon an). Nachdem ich ja nach meiner Woche des schlechten Gewissens, während meine Eltern zu Besuch waren, wieder ganz gut im Training war und ohne Probleme 1 1/2 Stunden unterwegs sein konnte, ohne ein Gefühl der Erschöpfung zu zeigen und nachdem ich auch das ständige auf und ab im Taunus immer besser vertrug, ohne dass ich das Gefühl hatte mir platzt gleich der Kopf, brach ich im August wieder ein.

Gerade war ich so weit, dass ich mich selbst nicht immer wieder neu überreden musste zu trainieren, sondern es sogar gern tat, gerade da war plötzlich der Termin meiner Hochzeit ganz nah. Und ich bekam Panik. Nein, nicht vor dem Jag-Sagen, sondern vor all dem, was wir bis dahin noch schaffen mussten. Es gab soooo viel zu organisieren! Der Tag hätte 48 Stunden haben müssen. Jeder, der gern heiraten möchte, sollte wirklich bedenken, dass das mit sehr viel Mühe und Zeitaufwand verbunden ist, mit endlosen Diskussionen. Und das schlimme ist, du kannst bald an nichts anderes mehr denken oder über was anderes sprechen. Leute, vor allem Frauen, die heiraten werden, sind fast genauso schlimm wie Mütter, die nur über ihre Kinder sprechen können. Wenn ich irgendwann mal welche habe, werde ich das sicher auch tun, aber als Braut ging ich mir schon selbst auf die Nerven.

Was mich aber noch mehr nervte als das, war die Tatsache, dass ich bei all dem Vorbereitungs- und Organisationsstress überhaupt nicht zum Laufen kam. Es gab einfach keine Zeit! Ja, ihr denkt, eine Ausrede. Wer noch nicht geheiratet hat, denkt ich übertreibe mit dem Vorbereitungsstress. Aber es wurde viel mehr, als wir vorher angenommen haben. Zumal wir alles allein organisiert haben, wir wollten keinen Weddingplaner. Stattdessen hätte ich mir einen Laufplaner organisieren sollen. Bis zum Tag der Hochzeit hatte ich schon wieder eine Woche im Trainingsplan in der nichts drin stand. Aber wenigstens hat mein schlechtes Gewissen mich am Hochzeitstag selbst mal kurz in Ruhe gelassen. Dafür schlug es umso heftiger in den Flitterwochen in Mexiko zu: „Ihr habt jetzt Urlaub, ihr habt Zeit, laufen kann man überall, es gibt jetzt keine Ausreden mehr..." Aber es gab einen Hurrican, es gab lange Touren mit dem Auto zu Maya-Stätten, sodass wir erst sehr spät am Hotel ankamen und dann war es plötzlich dunkel - viel früher als in Deutschland. Das schlechte Gewissen rief: „Früher aufstehen!" Ich rief: „Aber es sind meine Flitterwochen! Ich habe in den letzten Wochen sooo viel gearbeitet und sooo wenig geschlafen lass mich doch wenigstens im Urlaub mal ausschlafen!".

Es war ein ewiger Schlagabtausch. Bis zu dem Tag, an dem ich es tatsächlich mit Unterstützung meines Mannes schaffte trotz der wirklich sehr hohen Luftfeuchtigkeit loszulaufen. 7 km am Strand entlang. Ein Traum. Ein anstrengender Traum in dieser Schwüle. Aber ich schaffte 7 km. Und fühlte mich hinterher richtig glücklich.

Ich gebe zu, ich hätte im Urlaub wirklich mehr laufen können, wenn ich extrem diszipliniert gewesen wäre. Aber diese Disziplin fiel mir in diesem besonderen Urlaub sehr schwer. Ich finde es viel schwieriger im Urlaub diszipliniert zu sein, als während der Arbeitswoche. Ist das nicht seltsam? Ich hatte auch die ganze Zeit die mahnenden Worte von Dr. Wessinghage im Kopf: „Laufen kann man überall. Und im Urlaub erst recht!" Im Urlaub erst recht. Im Urlaub erst recht... Aber nicht, wenn man Andrea Ballschuh ist..... Ich weiß, ich werde dafür bestraft am 21.10.07. Das wird mich sicher 5 Minuten kosten, auch wenn ich jetzt wieder gut im Training bin und die ansteigenden Straßen im Taunus viel leichter nehme als noch vor ein paar Monaten.

Ich muss mich selbst frei machen von dem Druck, eine gute Zeit laufen zu müssen. Muss ich überhaupt nicht. Ich muss ankommen und zwar einigermaßen lächelnd und nicht als halbes Wrack, das gleich nach der Ziellinie in sich zusammen fällt. So ging es mir im letzten Jahr beim 10-km-lauf, als ich zu schnell unterwegs war, um eine gute Zeit zu laufen, um mich nicht zu blamieren. Völliger Humbuck. Also lautet mein Ziel jetzt erst einmal nur: Einen guten Lauf machen, sich gut dabei fühlen, Spaß haben ohne Zeitvorgabe an mich selbst. In 4 Wochen schreibe ich wahrscheinlich, ich will in 02:15:00 Std. die 21 km schaffen. Und das sollte ja zu schaffen sein, denn schließlich steht keine weitere Hochzeit an.

2. Tagebucheintrag

Ich sollte irgendwann wirklich mal ein Buch über meinen inneren Schweinehund schreiben. Dieser Kerl treibt mich in den Wahnsinn! Nicht nur, dass er mir das Leben schon mit Süßigkeiten und dem Essen generell schwer macht und mich darin immer wieder bezwingt. Nein, er versucht es auch in meinem großen Vorhaben beim Training für den Halbmarathon. Und ich muss gestehen - eine Woche lang hatte er leider die Oberhand. Aber mein schlechtes Gewissen war so erdrückend, dass ich plötzlich wieder alle Kräfte in mir mobilisieren konnte, um den Mistkerl in die Knie zu zwingen...

Meine schwache Woche war die Woche, als der Sommer begann. Das Problem war, meine Mutter kam mit ihrem Mann zu Besuch, und als gute Tochter fühlte ich mich natürlich verpflichtet, für die beiden da zu sein. Seit ich aus Berlin weg gezogen bin, haben wir kaum noch Zeit füreinander. Also absolvierte ich jeden Tag mit ihnen ein Sightseeingprogramm. Abends wollte ich dann laufen gehen. Aber es war wie verhext. Jedes Mal, wenn es losgehen sollte, fing es wie bekloppt an zu regnen und ich verschob das Laufen auf den nächsten Tag. War das Wetter dann schön, nutzte ich es für meine Eltern, die sollten ja nicht den ganzen Tag in der Bude hocken, wenn sie schon mal im Taunus waren - sonst hätte ich ihnen gegenüber ja ein schlechtes Gewissen gehabt. Waren wir wieder zu Hause, regnete es wieder usw... Ich hätte natürlich morgens eine Stunde früher aufstehen können, aber zu der Zeit war mit meinem Schweinehund erst recht keine Diskussion möglich. Und so kam es doch wirklich, dass ich in der 25.KW nicht trainiert habe.

Bloß nicht übertreiben

Oh je, habe ich mich schlecht gefühlt! Ich spürte von allen Seiten strafende Blicke (die es natürlich nicht gab, ich bildete sie mir nur ein) und wollte es dann sofort wieder gutmachen. Ich bekam die Chance dazu bei den Dreharbeiten zur "Zauberwelt der Berge" im Salzkammergut. Ich nahm mir für meinen ersten Lauf nach der Pause gleich 10 km vor. Was für ein Quatsch, ich hätte mit 6 oder 7 km anfangen sollen, aber mein Gewissen drückte so fürchterlich. Es trieb mich förmlich an. Ich schaffte sogar an einem freien Drehtag 10 km, aber ich fühlte mich hinterher nicht wirklich toll. Ich habe daraus aber gelernt und mich an die mahnenden Wort des Dr. Wessinghage erinnert, der da meint, man darf es mit dem Ehrgeiz nicht übertreiben, damit macht man mehr kaputt, als dass man etwas erreicht.

Seitdem trainiere ich Gott sei Dank wieder regelmäßig, bewege mich aber gerade immer nur zwischen 6 und 8 km pro Einheit. Und musste, da sich bedingt durch viel Arbeit und daraus resultierendem Zeitmangel der Schweinehund schon wieder stark zu machen versuchte, auf Laufen ganz früh am Morgen ausweichen, um mein Ziel zu erreichen. Und so sieht man mich zum Teil schon um 5:30 Uhr am Rhein entlanglaufen, voller Stolz, dass ich es geschafft habe, mich trotz bleierner Müdigkeit aus dem Bett zu schwingen und einen knurrenden Schweinehund zu Hause gelassen zu haben. Ich hätte nie gedacht, dass ich um diese Zeit schon meine Gliedmaßen bewegen könnte. Aber oh Wunder, es geht. Und was noch viel besser ist - ich fühle mich in der Sendung viel konzentrierter und frischer. Zugegeben, nicht jedes Mal schaffe ich es, gleich nach dem Weckerklingeln um 5:15 Uhr (ich muss um 7:00 Uhr bei der Arbeit sein) das Licht anzumachen und in die Laufsachen zu schlüpfen. An diesen Tagen lege ich meine Termine aber so, dass ich nach der Arbeit laufen kann.

Ich glaube, der Kampf mit dem Schweinehund wird eine never ending story bleiben. Aber dafür erlebt man mit ihm, wenn man den Kampf gewonnen hat, auch viel öfter Gefühle voller Stolz auf sich selbst, als würde es diese Auseinandersetzung gar nicht geben. In diesem Sinne: keep on running!

1.Tagebucheintrag

"Ich will einen Halbmarathon laufen" - mit diesem Satz habe ich Einige in meinem näheren Umfeld geschockt. Die dachten, ich will sie auf den Arm nehmen. Denn jeder, der mich besser kennt, weiß wie schwer ich mich immer mit dem Laufen getan habe. Früher habe ich es regelrecht gehasst. Ich fand es langweilig und die Anstrengung hat mich immer schon von vornherein davon abgehalten, loszulaufen. Dann lieber Inlineskaten, oder Fahrradfahren. Aber nicht laufen! Bis ich letztes Jahr im August gefragt wurde, ob ich mir zutrauen würde, zehn Kilometer zu laufen. Achtung, ich muss jetzt kurz zu einem Rückblick ausholen, damit Ihr versteht, wie es mir heute beim Training ergeht.

Da ich nicht als Weichei dastehen wollte und das Gefühl hatte eine neue Herausforderung zu brauchen, habe ich zugesagt. Als Erstes besorgte ich mir ein Laufbuch und habe nach einer ganz simplen Methode meinen Körper ans Laufen gewöhnt. Es ging los mit zwei Minuten laufen und eine Minute gehen. Für eine halbe Stunde. Ganz zu Anfang hatte mir das echt gereicht und ich dachte, ich werde die zehn Kilometer NIE schaffen. Doch ich bewies erstaunlicherweise Disziplin und ging jeden 2. Tag mit Joggingsachen vor die Tür und verlängerte meine Laufphasen um eine Minute. Irgendwann lief ich 30 Minuten am Stück. Und ich konnte sogar noch atmen! Dann 35 - 40 - 45! Mann, war ich stolz. Der Wettkampf fand in Bad Homburg statt. Ich war immerhin nicht die Letzte, als ich nach 1:04:10 im Ziel ankam. Hinter mir waren noch 5 Leute.

Kampf gegen die eigene Zeit

Als ich dann beim Zehn-Kilometer-Lauf in Palma beim TUI-Marathon mitlief, war ich schon ganz gut in Übung - und fing an, mich zu überschätzen. Ich lief zu schnell los, hatte die ganze Zeit über einen zu hohen Puls. Ich ließ die erste Wasserstation aus und es war zu warm. Bei Kilometer acht fühlte ich mich plötzlich richtig mies und war kurz vor dem Aufgeben. Dann wäre ich wirklich ein Weichei gewesen. Ich musste gehen und dachte, die verbleibenden zwei Kilometer schaffe ich nicht mehr. Aber dann lief ich wieder weiter und kam völlig fertig im Ziel an. Und ärgerte mich, denn ich war mit 1:05 Std. langsamer war als bei meinem ersten Zehn-Kilometer-Lauf. Dabei sollte es darum ja eigentlich nicht gehen. Und trotzdem wurmte es mich.

Nach diesem Erlebnis lief ich, allerdings nicht mehr so oft, noch zwei Monate weiter und schaffte sogar schon zwölf Kilometer. Aber dann kamen zwei Monate mit viel Arbeit, kaltem Wetter und mein Schweinehund hatte wieder das Kommando. Das schlechte Gewissen plagte mich die ganze Zeit, aber der Antrieb fehlte. Ich musste mir wieder ein Ziel setzen, dann würde ich mich wieder aufraffen können. Der Vorschlag, für die Tabaluga-Kinderstiftung 21 oder zehn Kilometer war dieses Ziel. Todesmutig entschied ich mich für 21 Kilometer. Denn zehn hatte ich ja schon mal geschafft, das war keine Herausforderung mehr für mich. Also 21 Kilometer.

Und das Training dafür hat es in sich: Es passt oft nicht in meinen Arbeitsalltag. Drei bis fünf Einheiten die Woche zwischen 40 und 80 Minuten rauben schon viel Zeit vom Tag. Aber irgendwie schaffe ich es doch meistens, die Zeit dafür freizumachen. Wenn man will, geht es ja doch. Ich sollte zurzeit auf 25-45 Kilometer pro Woche kommen, muss aber zugeben, fünfmal pro Woche habe ich es bisher nicht geschafft zu laufen. Höchstens viermal. Aber dafür war ich an einem Tag, an dem ich nur 80 Minuten hätte laufen müssen, gleich 90 Minuten am Stück unterwegs. Sehr langsam - verteilt auf zwölf Kilometer. Das ist echt langsam. Aber die Empfehlung von Dr. Wessinghage hieß ja, im unteren Pulsbereich, bei einer Herzfrequenz bis 158 zu laufen. Das Erstaunliche war - ich hätte sogar noch weiter laufen können, ich war überhaupt nicht platt! Es fühlte sich sogar richtig gut an.

 

 

21.10.2007 09:00 Alter: 4 Jahre